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15 Jahre DWC Deutsche WirtschaftsChronik

Die besten Unternehmen in Deutschland

Die Jubiläumsausgabe ab Herbst 2011 erhältlich im Buchhandel oder direkt über DWC Medien.



Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger
Impulse für eine Innovationsoffensive
Die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung mehren sich. Jedoch kaum für Deutschland. Der Internationale Währungsfonds mahnt sogar, dass Deutschland zur Wachstumsbremse für das ganze EURO-Gebiet werden könne: Seit Anfang der neunziger Jahre kommt die Bundesrepublik beim Wirtschaftswachstum nicht vom letzten Platz in der Europäischen Union weg.

Voraussetzung für eine Belebung der Wirtschaft ist eine rasche Beseitigung der Hindernisse. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die Veränderungsprozesse auf allen Gebieten - in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung - beschleunigen, statt verzögern. Das alleine reicht jedoch nicht aus, um wieder signifikantes Wachstum zu generieren. Hinzukommen muss eine Innovationsoffensive: Nur mit innovativen Produkten und Dienstleistungen können wir den Schwung einer wirtschaftlichen Erholung nutzen zu neuer Wettbewerbsfähigkeit. Denn Innovationen treiben die Wirtschaft an. Nicht durch verbesserte, sondern durch neuartige Produkte eröffnet man neue Märkte. Vorsprung erreicht man nicht durch Hinterherrennen, sondern durch Überholen auf neuen Wegen.

Dass man trotz Konjunkturflaute und ungünstiger Rahmen-bedingungen Gewinnzuwächse erzielen und die Marktposition ausbauen kann, machen uns auch in Deutschland eine ganze Reihe von Unternehmen vor. Die erfolgreichen Unternehmen zeichnet eine konsequente Innovationsstrategie aus. Während andere allein auf Kostenreduzierungen und Personalabbau setzen, investieren sie in neue Technologien und zielen auf qualitativ hochwertige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen, guten Service und Kundennähe ab.

Nicht nur mittelständische, auch große Unternehmen stehen aufgrund der zunehmenden Globalisierung unter einem stetig wachsenden Innovationsdruck. Immer weniger deutschen Unternehmen gelingt es, sich an die Spitze des technischen Fortschritts zu setzen. Die deutsche Wirtschaft zehrt seit vielen Jahren von der Substanz. Das Gros der kleinen und mittleren Unternehmen hat sich weitgehend aus der Forschung verabschiedet. Dabei stehen gerade die Zulieferfirmen unter enormem Druck, sich an die Großunternehmen anzupassen. Wenn Unternehmen Investitionen in neue Technologien länger aussetzen und verschieben, verlieren sie an Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Besonders besorgniserregend ist, dass über die Hälfte aller Unternehmen auf stagnierenden oder schrumpfenden Märkten tätig sind. Wenn wir auch morgen noch wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir einen großen Speicher an zukunftsfähigen Ideen anlegen und diese auch Wirklichkeit werden lassen.

Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sind das Rückgrat für Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb und die Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung. Doch seit Anfang der 90er Jahre ist Deutschland gerade auf diesen Gebieten zurückgefallen. Heute setzen andere Länder die Maßstäbe und Deutschland hat Mühe, ihnen zu folgen. Zwar ist es Bundes-forschungsministerin Bulmahn seit 1998 permanent gelungen, den Etat zu erhöhen, doch 2003 wurde auch hier der Rotstift angesetzt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angekündigt, die Etats der Forschungsorganisationen nach der Nullrunde in diesem Jahr ab 2004 wieder um jährlich drei Prozent zu erhöhen. Doch das reicht nicht aus, um internationale Spitzenpositionen zu erreichen.

Andere Industriestaaten haben eine Erhöhung der Forschungsausgaben konsequent umgesetzt: Von 2000 bis 2002 hat Schweden die Forschungsausgaben um 30 Prozent, die USA um 25 Prozent und selbst das rezessionsgeplagte Japan um 15 Prozent erhöht. Deutschland hat im selben Zeitraum gerade noch sechs Prozent geschafft. Mit 2,5 Prozent Anteil der Forschungsausgaben am BIP lag Deutschland im Jahr 2002 auf Platz 7, hinter Schweden 3,9, Finnland 3,7, Japan 3,0, USA 2,8, Korea 2,7 und der Schweiz mit 2,7 Prozent.

Hier ist nicht nur der Staat, sondern vor allem auch die Wirtschaft gefordert. Sie muss ihre Ausgaben erheblich steigern. Wenn wir nur mittelmäßig in Forschung investieren, werden wir auch nur mittelmäßige Ergebnisse bekommen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir hinterher-, mitlaufen oder an der Spitze rennen wollen.

Mehr Geld für Forschung erzeugt nicht von alleine mehr Spitzenleistung. Wir müssen auch erheblich effektiver werden, vor allem aber müssen wir als erste die Forschungsergebnisse in Erfolge am Markt umsetzen. Die einfache Formel „Forschung macht aus Geld Wissen - Innovation macht aus Wissen Geld“ beschreibt eindrücklich, wie sehr es auf den letzten Teil des Innovationsprozesses ankommt. Voraussetzung ist eine Innovationskultur, die jeden einzelnen erfasst. Jeder Mitarbeiter sollte sich am Ende des Jahres fragen, ob er irgendetwas neu gemacht hat oder nur das bisherige verwaltet hat. Neue Ideen brauchen ein innovationsfreundliches Umfeld, damit sie Wirkung entfalten können. Wir müssen Kreativität nicht nur fordern, sondern fördern. Und wir müssen die vorhandenen Potenziale besser ausschöpfen, um den Ausstoß an Erfolg verspechenden Ideen vervielfachen zu können: Vor allem aber müssen wir das Innovationstempo erhöhen. Die Fähigkeit, Innovationen schneller planen, durchführen und konsequenter steuern zu können, wird für Unternehmen zur Voraussetzung für künftigen wirtschaftlichen Erfolg. Die Fraunhofer-Gesellschaft wird die Unternehmen dabei intensiv unterstützen. In einem umfassenden Projekt werden wir die markanten Zeittreiber identifizieren, die Innovationsprozesse verzögern, und darauf aufbauend Verfahrens- und Organisationsverbesserungen entwickeln, die eine deutliche Beschleunigung ermöglichen. Mit einer Innovationsoffensive können wir die Fähigkeit zurückgewinnen, den Wandel aktiv zu gestalten.

Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger,
Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Allgemeine Informationen:
Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Trägerorganisation für Einrichtungen der angewandten Forschung in Europa. Sie betreibt derzeit rund 80 Forschungseinrichtungen, davon 57 Institute, an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Der Sitz der Zentrale ist in München. Rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen das jährliche Forschungsvolumen von etwa einer Milliarde Euro. Davon erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft rund zwei Drittel aus Aufträgen der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die internationale Zusammenarbeit wird durch Niederlassungen in den USA und in Asien gefördert.
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