Jeder Künstler hat so seine Phasen. Bei Josef Bauer waren es Frauen, wunderschöne prominente Frauen, die er in unzähligen Bildern noch schöner erscheinen ließ. Glamourös wie Filmdiven, in sinnlichen Pin-up-Posen oder als Porträts. Die Frau als Göttin. Nina Ruge hat er so auf Acryl-Leinwand verewigt und Christine Neubauer, ebenso Sharon von Wietersheim, Gaby Hauptmann, Andrea Sokol, Barbara Herzsprung und Chaka Khan. Und auch wir durften ihm vor elf Jahren Modell stehen, für ein Bild in Königsblau und Sonnengelb, das seitdem bei uns im Homeoffice einen Ehrenplatz hält.Jetzt hat sich der Münchner Künstler, 56, gebürtiger Stuttgarter und Liebling der Münchner Society, von den Frauen verabschiedet. Nicht für immer, aber er malt neuerdings auch Landschaften, nicht ganz so quietschbunt, doch noch immer farben- und formenfroh. Italienische Motive sind es zumeist, Capri in seiner ganzen mediterranen Pracht am Golf von Neapel und die Nachbarinsel Ischia mit dem pittoresken Kirchlein, das Billy Wilder in seiner ebenso bissigen wie romantischen Liebeskomödie „Avanti, Avanti" 1972 auf Zelluloid verewigte.
Vom Weichzeichner der Promi-Frauen zum Avantgardisten Die mediterrane Schönheit von Capri hat Josef Bauer zu seinem Gemälde in weicher Ölkreide auf Papier angeregt „Mich inspiriert die Schönheit unseres Planeten und die Lebewesen darauf, vor allem die guten Menschen haben es mir angetan. Schlechte Menschen liebe ich nicht, die sind auch nicht schön!" antwortet der Ästhet Josef Bauer, wenn man ihn nach seiner Motivation fürs Malen fragt.
Wer sein Atelier an der Kathi-Kobus-Straße in Schwabing betritt, wähnt sich eher im edel gestylten Ambiente für einen Designermöbel-Katalog denn in einer Künstlerstube. Nirgendwo liegen vergammelte ausgequetschte Farbtuben herum, es gibt weder eingetrocknete Farbflecken auf Holz noch bekleckerte Pinsel in ausrangierten, blind gewordenen Marmeladengläsern – hier ist alles so hübsch akkurat und wohlgeordnet, als rausche jeden Moment der Starfotograf herein, um das Arrangement für den Hochglanz-Katalog abzulichten. Das Atelier als Gesamtkunstwerk.
Chaos mit StrukturBei der Arbeit sei er strukturiert, sagt der Künstler. Ganz im Gegensatz dazu seine Bilder: überbordende Farben und Formen, wild angeordnet und doch harmonisch, Chaos, gebannt auf Leinwand. Und sie machen fröhlich. Josef Bauers Bilder sollten als Therapie gegen Schwermut verordnet werden: Wer sie erblickt, kann einfach keine Trübsal blasen, selbst der düsterste Novemberregentag hat keine Chance gegen diese geballte Farbenpracht. Und für den Künstler selbst ist die Malerei etwas ganz Besonderes: „Ich brauche die Kunst zum Überleben, da sie mir Gleichgewicht gibt." Vielleicht hängt sein neuer Stil auch von der neuen Umgebung ab – anfangs war es noch das Kelleratelier am Josephsplatz, dann der Umzug ins Botanikum mit der herrlichen Glaskuppel, und jetzt eben die Kathi-Kobus-Straße. Oder vielleicht ist es auch die neue Frau in seinem Leben, Monika Damonte, die er vor einem Jahr geheiratet und mit der er Italien bereist hat. Wie auch immer, Josef Bauer gelang ein Quantensprung in der Entwicklung. Vom Pop-Art-Meister, Zippo-Feuerzeug-, Weinetiketten- und Uhrendesigner über den poppig bis punkig abstrakten Wilden zum neuen Landschaftsmaler. Waren in seinen früheren Werken mitunter Spuren von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein zu entdecken, findet man in seinem aktuellen Patchwork-Stil manchmal ein wenig Paul Klee, ein bisschen Hundertwasser, hier und da einen Pinselstrich von Cézanne und einen Hauch Kubismus – auf jeden Fall aber immer ganz viel Josef Bauer. Mit unverkennbarer Handschrift. Vor allem Ischia, Capri und Grado haben es ihm angetan: „Ich halte mich gern am Meer auf, und, wie gesagt, Schönheit muss man malen, und so habe ich die Italien-Serie angefangen, auch, um zu testen, ob ich das kann." Von unserer Seite dazu jedenfalls höchstes Lob – uns gefallen die Inspirationen à la Italia außerordentlich gut. Sein Handwerkszeug hat Josef Bauer immer dabei, er malt entweder nach realen Vorlagen oder Fotografien, „ich fotografiere fast alles", erzählt er. Vor allem, wenn es schön ist...
International erfolgreichAuch das Material hat sich geändert: vom harten knalligen Acryl zur Ölkreide, auch dadurch werden seine Bilder weicher. Keine Frage, Josef Bauer erschafft sich immer wieder neu, nunmehr zum Weichzeichner der Landschaften. Seine Bilder haben sich weiterentwickelt, sind „erwachsener" geworden, beschreiben neue Wege, getreu Bauers Mottos „Whatever you can do, begin it now". Langes Warten, Zaudern ist nicht die Sache des sympathischen Künstlers, der im Hier und Jetzt lebt. Stillstand kennt er nicht, da handelt er lieber, wie es Lou Reed im Lied „Heroin" beschreibt und das er gern zitiert: „Ich habe keine Ahnung wo es hingeht. Aber wenn es geht, greife ich nach den Sternen". Bislang sehr erfolgreich: Die Preise für seine Bilder rangieren im vierstelligen Bereich, seine erfolgreichste Ausstellung war 1995 die „Yellow Space Ausstellung" in Stuttgart, zu deren Eröffnung 1000 Besucher kamen. Seine Werke verkaufen sich mittlerweile weltweit. Und alles vor dem Hintergrund, dass der studierte Architekt künstlerischer Autodidakt ist: „Ich habe Gott sei Dank nie malen gelernt, und alles, was ich mache, habe ich mir selber beigebracht. Von daher konnte ich 22 Jahre lang meinen Stil weiterentwickeln, und es war immer ich." Und er kann mit Recht stolz darauf sein.
Und immer wieder Frauen Dennoch: Seine Lieblingsmotive bleiben nach wie vor die Frauen. „Warum ich sie so gern male, hat etwas mit ihrem Stil zu tun. Sie sind cool, fordernd, intelligent, verletzlich, empfindsam... all das strahlen sie aus, und das möchte ich auf dem Bild festhalten für die Ewigkeit", erläutert er. Vor allem eines haben seine gemalten Frauen gemeinsam: Sie lächeln nicht. Für den Künstler gibt’s dafür eine logische Erklärung: „Ich male keine lachenden Frauen, sie bekommen dadurch ganz breite Lippen, und das Gesicht verzerrt sich. Natürlich mag ich Frauen, wenn sie im Leben lachen. Aber beim Malen möchte ich mehr von ihrer Persönlichkeit sehen." Mit seinen italienischen Landschaftsmalereien beschreitet Josef Bauer zwar neue Wege, doch den Frauen als Motiv für seine Bilder bleibt er weiterhin treu Auch wenn Josef Bauer in der Promi-Szene bekannt ist wie ein bunter Hund und seine rauschenden Partys mit seinem besten Freund, dem Sternekoch Stefan Marquard, in seinem Atelier legendär sind, von der Münchner Kunstszene hält er sich fern. „Die kenne ich gar nicht, da ich mich fast nur in meinem Atelier aufhalte", sagt er. Auch Vorbilder liegen ihm nicht, er habe früher nie welche gebraucht, sondern kontinuierlich seinen eigenen Stil entwickelt. Und jetzt sei er zu alt, um ein Vorbild zu haben. Er achtet die Menschen sehr, beobachtet viel und saugt auf, was gut für sich und seine Arbeit ist. Sein früher bisweilen unstetes Künstlerleben hat nicht zuletzt durch seine Frau so etwas wie einen Ruhepunkt gefunden. „Ein ganz normales Leben zu führen, ist als Künstler nicht möglich, weil du immer am Arbeiten bist. Erst jetzt kommt durch meine Heirat so langsam Normalität in meinen Lebens- und Arbeitsrhythmus herein, und man sieht es meinen Bildern auch an, sie werden weicher, sind bis ins Detail ausgearbeitet und suchen eine neue Richtung."
Sein Ziel beschreibt Josef Bauer ganz pragmatisch: „Ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich meine Bilder kennen, lieben und kaufen." Er ist auf dem besten Weg dazu. Und ein wenig Altersweisheit lässt er sich auch noch entlocken, passend dazu das Gedicht von Rainer Maria Rilke, das ebenso gut das Leben von Josef Bauer wiedergeben könnte:
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehen.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn...
Mehr über Josef Bauer:
www.atelier-josef-bauer.comText: Jutta Bök